Mängel am Neu- oder Gebrauchtwagen: Das sind Ihre Rechte.

Endlich haben Sie Ihr Traumauto gefunden, dazu noch zu einem günstigen Preis. Da ist die Freude groß. Doch plötzlich zeigt sich ein Mangel: Das Fahrzeug bleibt liegen. Oder bei einer Inspektion wird ein vertuschter Unfallschaden entdeckt – oder eine Manipulation des Tachos!

Haben Sie ein gebrauchtes Fahrzeug einer Privatperson abgekauft, haben Sie meist einen Standard-Kaufvertrag unterschrieben, in dem jegliche Gewährleistung ausgeschlossen wird.
Wenn Sie jetzt denken „Pech gehabt! Da gibt es nichts mehr zu unternehmen!“, könnte dies bereits eine Fehleinschätzung sein. Denn hat der Verkäufer auch als Privatperson einen ihm bekannten Mangel wie z. B. einen Unfallschaden oder eine Manipulation am Tacho Ihnen gegenüber verschwiegen, läge eine arglistige Täuschung vor. In einem solchen Fall greift der Haftungsausschluss nicht – und neben den Gewährleistungsrechten kommt auch eine Anfechtung des Autokaufs in Betracht.

Auto gekauft, Mängel festgestellt – was nun?

Der Autokauf beim Profi

Haben Sie das Fahrzeug hingegen bei einem gewerblichen Händler erworben, darf dieses Unternehmen die Haftung nicht von vornherein ausschließen. Bei solchen Gebrauchtfahrzeugen darf lediglich die Haftungsdauer unter gewissen Voraussetzungen auf ein Jahr begrenzt werden.

Gut zu wissen: Diese Regelung gilt für alle Unternehmen, nicht nur für die professionellen Kfz-Händler. Wenn Sie zum Beispiel einen Firmenwagen von einem Unternehmen kaufen, muss dieses Unternehmen mindestens 12 Monate ab Kauf haften – auch dann, wenn das Unternehmen im Kaufvertrag alle Gewährleistungsansprüche ausgeschlossen hat.


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Haben Sie eine Verkehrsrechtsschutzversicherung?

Dann stehen Sie bei der Klärung eines Unfallgeschehens gut da. Doch auch bei Streitigkeiten rund um den Autokauf hilft eine gute Verkehrsrechtsschutzversicherung: Mit dieser professionellen Unterstützung können Sie Ihre Rechte zum Beispiel bei Sachmängeln besser durchsetzen – bis hin zum Gerichtsverfahren, dessen Kosten im Regelfall über die Versicherung abgedeckt sind.

Auto gekauft, Mängel festgestellt – was nun?

Im Fall der Fälle: Welche Rechte haben Käuferinnen und Käufer?

Sollte Ihr kürzlich beim Händler gekauftes Fahrzeug Sachmängel aufweisen, haben Sie verschiedene Rechte:

Bei behebbaren Mängeln müssen Sie dem Verkäufer vorrangig das Recht zur Nachbesserung des festgestellten Mangels einräumen. Sonst laufen Sie Gefahr, sich weitergehende Gewährleistungsrechte unwiderruflich abzuschneiden.

Bitte lassen Sie die Mängel auch nicht eigenmächtig reparieren, ohne den Verkäufer zu kontaktieren. Denn dann können Sie die Rückerstattung der Reparaturkosten nur noch in Ausnahmefällen gegenüber dem Verkäufer durchsetzen.

Auch sollten Sie nicht vorschnell vom Kaufvertrag zurücktreten: Denn nur, wenn sich der Verkäufer ernsthaft und endgültig weigert, Nachbesserungen vorzunehmen, könnte für Sie ein Recht auf Rücktritt in Betracht kommen. Gleiches gilt auch dann, wenn der Verkäufer bereits zweimal erfolglos versucht hat, den Mangel zu beheben.

Bei nicht behebbaren Mängeln – wenn sich z. B. ein Auto im Nachhinein und entgegen der Angaben aus dem Kaufvertrag als Unfallfahrzeug herausstellt –, gelten diese Einschränkungen nicht: In einem solchen Fall können Sie sofort vom Kaufvertrag zurücktreten. Oder Sie fechten den Vertrag an, wenn der Verkäufer Sie zusätzlich noch arglistig getäuscht hat. Doch auch in einem solchen Fall sollten Sie sich dringend anwaltlich beraten lassen!

Ihre Rechte: Auf die Reihenfolge kommt es an

Sie haben folgende Rechte – bitte beachten Sie die chronologische Reihenfolge, denn diese sollten Sie unbedingt einhalten:

  • 1. Die Nachbesserung: Über diesen vorrangigen Anspruch auf Nacherfüllung können Sie vom Verkäufer verlangen, dass er Ihr Fahrzeug repariert. Setzen Sie dem Verkäufer schriftlich eine angemessene Frist von wenigstens 14 Tagen für die Nachbesserung.
  • 2. Die Minderung des Kaufpreises: Wenn der Verkäufer den Mangel nicht beseitigt hat, können Sie den Kaufpreis mindern. Die Höhe der Minderung ergibt sich aus den geschätzten Reparaturkosten. Im Zweifelsfall beauftragen Sie einen Sachverständigen, der den Betrag zur Minderung festsetzt.
  • 3. Der Rücktritt vom Kaufvertrag: Wie bereits oben erwähnt, steht Ihnen das Recht erst nach zweifach fehlgeschlagener Nachbesserung oder bei ernsthafter und endgültiger Verweigerung des Verkäufers zur Nachbesserung zu.

Lediglich bei nicht behebbaren Mängeln am Fahrzeug kann gleich das Recht zum Rücktritt erklärt werden.

Wann ist ein Mangel ein geringfügiger Mangel?

Der Richtwert für einen geringfügigen Mangel ergibt sich aus der Höhe der zu erwartenden Reparaturkosten: Bei bis zu 5 % des Kaufpreises gilt ein Mangel als geringfügig. Sie können in einem solchen Fall nicht einfach vom Kaufvertrag zurücktreten, obwohl eigentlich die richtigen Voraussetzungen gegeben sind.


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Der Streitfall: Wer muss was beweisen?

Regelmäßig gibt es Auseinandersetzungen darüber, ob ein Fahrzeug schon bei der Übergabe Mängel aufgewiesen hat – oder ob diese Mängel erst durch die unsachgemäße Nutzung durch den Käufer entstanden sind. Hierbei sind zwei Fristen entscheidend:

  • In den ersten 6 Monaten ist der Käufer beim Händlerkauf gut geschützt: Denn nach § 476 BGB wird davon ausgegangen, dass der Mangel bereits vorlag, als das Fahrzeug an den Käufer übergeben wurde. Sollte der Händler anderer Meinung sein, ist er in der Beweispflicht.
  • Nach 6 Monaten muss der Käufer beweisen, dass der Mangel bereits bei der Übergabe vorhanden war: Hier lohnt es sich, einen Sachverständigen einzuschalten, der den Mangel begutachtet und analysiert.

Gut aufgestellt ist, wer sich in all diesen Fällen anwaltlich beraten und im Streitfall auch vertreten lässt – am besten von einer qualifizierten Fachkanzlei. Denn je nach Art des Sachmangels kann hier für Sie ein sehr hoher finanzieller Schaden entstehen, der Sie zusätzlich noch viel Zeit und Nerven kostet.

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